Montag, 9. Mai 2016

Salsa, Salsa, Salsa

Meine erste Woche hier im kolumbianischen Cali ist bereits um. Vielleicht habt ihr, wie ich während meiner Rundreise, auch schon von vielen zu hören bekommen, wie schön und genial Kolumbien sei. Aber am besten lernt man ein Land jedoch kennen, in dem man es selber besucht und erfährt. Denn oft erzählen die Menschen nur ihre positiven Erfahrungen, um nicht schlecht dazustehen. Denn wie schon Argentinien, Chile, Peru und Bolivien, hat auch Kolumbien seine Sonnen- und Schattenseiten.


Wieso ich von Schattenseiten spreche mögt ihr euch möglicherweise fragen. Um dies zu verstehen, muss man sich als Schweizer für mehrere Monate in ein kulturell völlig anderes Land begeben. Denn wie bereits in Buenos Aires, gestaltet sich auch in Cali das Einleben etwas schwer. Ich muss mich erneut von Null auf organisieren. Wo kann man einkaufen, welche Produkte dienen für meine immer noch schweizerischen Essensgewohnheiten, wie bewegt man sich fort, wo befindet man sich, wie kommuniziert man, wo kann man Sport machen? Dies und viele weitere Fragen beschäftigten mich diese Woche hauptsächlich. Und hinzu kam noch, dass mein neuer Arbeitgeber TECHO PARA MI PAÍS keine Ahnung hatte, dass ich überhaupt kommen werde. Denn die gute junge Frau, die mir das Praktikum hier in Cali organisierte, hatte niemanden über mein Kommen informiert. So musste ich nebst all den anderen organisatorischen Punkten, auch noch mit Chef und Kommunikationsleiter von TECHO über meine zukünftige Arbeit verhandeln.

Meine Arbeit bei TECHO

In den nächsten drei Monaten werde ich für die Freiwilligenorganisation TECHO PARA MI PAÍS (dt. "Ein dach für mein Land) arbeiten. Das besondere an TECHO ist, dass es keine von Europa oder den USA nach Südamerika gesandte Hilfsorganisation ist, die hier für bessere Zustände sorgen will. TECHO ist von den Ländern Südamerikas selber aufgebaute Organisation, die in fast allen Ländern Südamerikas sowie in der Karibik tätig ist.  Die Hauptaufgabe der Organisation erklärt sich eigentlich schon, wenn man deren Namen hört. TECHO hilft, in den armen Dörfern Häuser zu bauen. In den Dörfern leben die Menschen oft ohne Strom, fliessend Wasser oder sonstige Installationen. Sie wohnen in Metallgestängen über welche sie Blachen gespannt haben.
TECHO Cali ist eine eher kleine Gruppe. Vor meinem Ankommen wusste ich nicht, dass es in der Organisation eigentlich gar keine andere Aufgabe gab, als in die Dörfer mitzugehen und beim Bau der Häuser zu helfen. Denn ich hatte mich eigentlich für ein Praktikum in Journalismus oder Kommunikation beworben.
Ich konnte es mit dem Chef und dem Leiter Kommunikation jedoch so drehen, dass meine Arbeit nun aus hauptsächlich Journalistischen Punkten besteht. Ich werde die Gruppe TECHOs in die Dörfer begleiten und deren Arbeit dort mit Fotos und Videos dokumentieren. Danach kann ich die Eindrücke einerseits in Blogs verarbeiten, welche dann auf der Homepage TECHOs veröffentlicht werden oder ich schreibe kleinere Statements, welche dann als Facebook Posts dienen.

Das Büro von Techo befindet sich in einem normalen Wohnhaus.

Ein wirkliches Büro ist es auch nicht: 2 Pulte und 4 Computer, anwesend ist eigentlich nie jemand.

Ich bin gespannt, wie meine Arbeit dann aber schlussendlich aussehen wird. Denn wenn man von der Unorganisisertheit und der Unzuverlässigkeit der Südamerikaner spricht, meint man die Kolumbianer. Denn dass mein erster Tag On Stage in einem der Armendörfern- der vorgestern Samstag 7.05 hätte stattfinden sollen - aus irgendwelchen Gründen abgesagt wird, erfuhr ich am Freitag Abend um 23:00. Wie gesagt, mit den Kolumbianern ist Geduld und Spontanität gefragt. Zwei Charaktereigenschaften, die bei mir leider (noch) nicht sehr ausgeprägt sind. Somit werde ich zusätzlich auch noch Nerven brauchen.

Meine erste Woche in Cali

Auch wenn ich erst eine Woche in Cali bin, so habe ich diese Woche schon einiges unternommen. Da der Ruf als Hauptstadt des Salsas Cali über die ganze Welt vorauseilt, will ich meinen Aufenthalt hier auch etwas nutzen, um die Kunst des Hüfteschwingens zu erlernen. So startete ich bereits am Montag meine ersten zwei Salsa Stunden. Das Monatsabo für 4x pro Woche zwei Stunden Salsa habe ich natürlich auch schon gelöst. Und glaubt ja nicht, so ein bischen Salsa tanzen sei locker. Nach diesen zwei Stunden sind alle im Saal patschnass und ich hatte bereits am zweiten Tag Muskelkater.

Wenn man in die Stunde um 19:00 geht ist der Saal überfüllt.

Zusätzlich zum Salsa habe ich einen Pole Dance Klub in der Nähe meines Wohnortes gefunden, in dem ich meinen Körper nebst dem Salsa auch noch muskulär und Beweglichkeitsmässig fit halten kann. Pole Dance ist übrigens ab diesem Jahr 2016 Olympisch. Für alle die immernoch glauben, Pole Dance sei nur ein erotisches Tanzen schlage ich also vor, diesen Sommer Olympiade zu schauen und sich etwas Besserem zu belehren. ;-)

Der neue Pole Dance Trainingsort.

Das Foto stammt zwar noch aus Buenos Aires Zeiten aber es verdeutlicht so schön, das Pole Dance ein Sport ist. ;-)

In meinem neuen Heim habe ich mich noch nicht so richtig eingewöhnt. Entgegen meiner Hoffnung ist meine Gastmutter leider nicht wahnsinnig ordentlich und legt auch nicht grossen Wert auf Sauberkeit. So verbringe ich die ersten Minuten nach dem Aufstehen oder nach dem nach Hause kommen oft damit, die Küche aufräumen und das dreckige Geschirr abzuwaschen. Auf eine weitere Kakerlake, die mir den Duschvorhang raufklettert, wie mir das in Buenos Aires geschehen ist, habe ich nämlich nicht allzu grosse Lust. Auch ansonsten komme ich mit meiner Zimmer Vermieterin noch nicht so ganz klar. Natürlich versuche ich das Beste, um unser Zusammenleben etwas schöner zu gestalten. So kochte ich am Sonntag Abend für uns beide ein gemeinsames Abendessen. Und wie könnte es bei mir anders sein, natürlich kochte ich meine Spezialität, Fajitas. Sie war sehr erfreut und ich fühlte mich das erste Mal in dieser Woche akzeptiert. Nur schade, dass dies nur auf diese Art und Weise geschieht. Aber sie hat mir auch bereits verraten, dass sie die Zimmer nur des Geldes wegen vermietet. Nämlich, um ihren Master Studiengang, den sie per Internet absolviert, zu finanzieren. Schade aber (wie man dies im Militär oft hört) "ist so weil ist so". ;-)

Im untersten Stock ist mein vorläufiges Zuhause.

Der Eingangsbereich mit Essraum. Die erste Tür den Gang nach hinten rechts ist mein Zimmer.

Mein Zimmer

Mein Werk, meine Spezialität: Fajitas! Man kann mich auch mieten :-P

Meine Gastmutter (sonst wirkt sie nicht so freundlich) und ich.

Mit Jhonatan, dem Freund meiner schweizer Kollegin Aline, welche mir das Praktikum in Cali offerierte, habe ich eine super Kontaktperson in Cali, auf die ich mich (wirklich) verlassen kann. Denn auch bei Treffpunkten kommt er pünktlich und lässt mich nicht nach kolumbianischer Art eine halbe Stunde warten. Ausserdem kennt er durch Aline auch meine Gastmutter und kann mich bei heimischen Kriesen unterstützen. Auch ansonsten ist Jhonatan ein super Kerl! Er nahm mich am Donnerstag (nach 2h vollgas Salsa versteht sich) mit in den Ausgang, um mir bereits einmal eine Salsa Diskothek zu zeigen. Am Samstag gingen wir zusammen klettern. In einer Garage ähnlichen, ca. zweieinhalb Meter hohen Halle, machten wir zuerst aufwärm- sowie Kraftübungen, bevor wir vom Instruktor vorgegebene Routen zu erklettern versuchten. Ich hatte enorm Spass und auch meine inzwischen ohne turnerische Hornaut lebenden Hände erfreuten sich daran, endlich wieder etwas gebraucht zu werden.

Die Kletterhalle ist wohl mehr ein Kletterraum.

Der Beginn der Route sah in etwa so aus.

Fast am Ziel. Von dieser Position musste man als Goal die "Hand "(oben im Bild) ergreifen!

Mein Kollege Jhonatan in Aktion!

Nach dieser etwas harzigen Woche, beginnt die nächste mit einem Feiertag. Denn der Auffahrtsdonnerstag in der Schweiz, wird hier am Montag danach gemacht. Zum Glück habe ich dies zufällig herausgefunden, denn ansonsten wäre ich morgen im Salsa Klub vor verschlossenen Türen gestanden. Mal schauen, was die nächste Woche bringt.

Kommentare:

  1. Interessante Woche in einer herausfordernden Umgebung! Weiterhin alles Gute!

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  2. Tanzen macht auch Ihre Knochen stärker und strafft den gesamten Körper. Jede Tanzform hat seine eigenen Vorteile. Bauchtanz hilft bei Rückenprobleme zu verhindern; Salsa-Tanzen senkt den Blutdruck und Cholesterin; Gesellschaftstanz ist gut für das Herz; Cha-Cha Tanz hilft angeblich in der kognitiven Funktionen.

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  3. Vielen Dank für diese Informationen.Ich schätze Ihre Arbeit, keep it up.
    Viele Menschen wollen lernen, Salsa zu tanzen, aber lassen Sie den Traum gehen, sobald sie erkennen, dass es gut geht Arbeit zu tun zu lernen.
    Salsa ist komplett inklusive und eignet sich für alle, unabhängig von Alter oder Niveau der Fähigkeit.

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