Sonntag, 31. Januar 2016

The Argentine Experience

Was macht ihr, wenn ihr in einer neuen Stadt - ja sogar einem neuen Land seid? Nebst stundenlangem durch die Gegend schlendern definitiv auch die typische Küche des Landes probieren.
Ich habe in meinen etwas mehr als zwei Monaten hier in Buenos Aires schon so ziemlich alles probiert, was man typisch nennen kann. Von den verschiedenen Steaks, über den Mate Tee bis hin zu den köstlichen Desserts. Nun, die meisten Buenos Aires Besucher halten sich nur für kurze Zeit in Buenos Aires aus und wie soll man da ohne Stress alle Köstlichkeiten probieren? Die Antwort lautet: The Argentine Experience!

Auf die Idee, dieses Argentine Experience zu machen, kam ich durch die Schule. Jede Woche werden neue Aktivitäten angeboten, die von der Schule selbst oder von auswärtigen Angeboten werden.
Ich wusste nicht genau, was ich mir unter diesem Abend vorstellen sollte. Denn man sagte mir, dass es sich dabei nicht um eine Kochklasse handelt, aber dass man dennoch kocht und auch (viel) isst. Ich war auf jedenfall gespannt!

Empfangen wurde ich im ersten Stock eines kleinen Restaurants im Stadtteil Palermo. Zwei lange Holztische mit Barhockern als Stühle inklusive Schürze und Kochhut standen bzw. lagen bereits für die Angemeldeten bereit. Die Mitarbeiter waren alle unter 30 und man sah ihnen an, dass sie einfach Spass hatten, bei dem was sie tun. Begonnen mit einem Welcome Drink gingen wir bald zum Apero über. Nicht typisch argentinisch aber nicht minder lecker. Was es genau war, kann ich euch leider nicht sagen. Schaut selbst!


Kräcker mit einer Art Lachs-Gemüse Tarte
 

Nach dem Apero ging es richtig los. Nachdem sich alle Mitarbeiter persönlich vorgestellt hatten, durften wir unseren eigenen Empanadas machen. Als Füllung standen Fleisch, Käse und Calabrese (Mozzarella und Cherry Tomaten) zur Verfügung. Was mir super gefallen hat ist, dass sich die Kellner selber auf die zwei Tische aufteilten und so den Teilnehmern ganz genau erklären konnten, wie die Empanadas Technik funktioniert. Die fertigen Empanadas wurden mit Namen versehen und zum Backen abgegeben.

Die Füllungen. Käse, Calabrese, Rindfleisch (v.l.n.r)

Eine der Mitarbeiterin zeigt, wie man Emanadas macht.

Ganz stolz, zwei Schweizerinnen backen argentinische Kost ;-)

Damit es nie ein Problem gibt, was denn nun ein Empanada enthält. Jede Füllung hat seine eigene Form.

Um die Wartezeit zu überbrücken, servierte man uns Picada. Auch wenn mit Käse, fand ich dies sehr lecker. Genauer erklärt funktioniert Picada folgendermassen: Man nimmt mit der Gabel den Käse mit dem Salsa Criolla (Sauce aus Tomaten, Peperoni und Öl), tut dies auf ein kleines Brötchen und kürt das ganze mit einer (oder zwei) Scheiben Chorizo. In den Mund schieben und einfach geniessen. Einerseits herrlich und andererseits sogar für mich ein neues Geschmackserlebnis. :-)


Schritt 1: man nehme ein Brot

Schritt 2: man nehme das Käse-Salsa Criolla-Topping und legt es auf das Brot
Schritt 3: man lege 1-2 Chorizos auf den Käse und vollzieht dann Schritt 4: essen
 
Zwischen Picada und Empanadas essen, lernten wir, wie die verschiedenen Garstufen des Fleisches auf Spanisch genannt werden. Mit Witz erklärt und auf einem Foto noch genauer verdeutlicht, mussten letzten Endes alle Teilnehmer ihr Fleisch auf Spanisch bestellen. Für mich war dies natürlich keine spezielle Herausforderung, da aber die meisten Teilnehmer Touristen auf der Durchreise waren, war dies für den ein oder anderen knifflig sehr knifflig. Ich bestellte wie immer - bien cocido (= medium).

Die Darstellung verdeutlicht die verschiedenen Garstufen ;-)

Kaum war das Fleisch bestellt, durften wir unsere selbstgemachten Empanadas kosten. MMMhh...!

Was macht man nun? Empanadas sind gegessen aber das Fleisch ist noch nicht bereit? Ganz einfach: man beschäftigt sich mit den typischen Gesten der Argentinier. Ob "Ich habe keine Ahnung", "Was ist dein Problem?!" oder "Es war super!", ich kann mich nun verständigen. :P
 
Endlich wurde uns das Fleisch serviert. Das Bife de Lomo war natürlich wieder einmal köstlich und aufgrund der Fleischkenntnisse des Chefs, weiss ich nun auch, von welchem Teil des Rindes denn eigentlich meine Lieblingsfleischstücke sind!
Zum Bife de Lomo gab es Kartoffeln, Süsskartoffeln, Kürbis, Zwiebeln und Karotten. Die Platte wurde einfach in die Mitte des Tisches gestellt und man konnte sich bedienen.
Wie sich dies für Argentinien gehört, wurden wir während dem ganzen Abend von Wein begleitet. Gestartet mit Weisswein für die Vorspeise, gingen wir über zu Rotwein. Auch wenn ich Wein für gewöhnlich nicht mag, so musste ich doch den so berühmten argentinischen Wein probieren. Aber wie gedacht, jeglicher Wein, sogar die typischste Traubensorte - die Malbec Traube - konnte mich nicht überzeugen. Naja, wahrscheinlich muss ich doch noch ein paar Jahre älter werden, bis mir der Wein schmeckt. ;-)


Bife de Lomo "A Punto"


Natürlich wurde zum Essen auch Chimichurri, Andensalz und Vinaigrette Sauce gereicht.
 
Eine geniale Tischgesellschaft. 3 Mal Schweiz, 1 Mal Griechenland und 2 Mal USA! 

Wohlig gefüllt vom feinen Abendessen, hatte ich mich bis hierhin bereits prächtig amüsiert. Das ältere Ehepaar auf dem Bild machte unsere Tischgesellschaft legendär. Schon ohne Alkohol brachten Sie uns ständig zum Lachen aber nach dem 3. Glas war es einfach nur noch genial! Alle 5 Minuten wurde angestossen. Und dies natürlich mit links. Denn wie uns der ältere Herr belehrte stosse man mit links an, wenn es nicht das letzte Mal Anstossen gewesen ist. Zwei jung gebliebene Amerikaner aus Minnesota, die in wenigen Tagen mit dem Kreuzfahrtschiff um das Kaphorn bis nach Santiago de Chile - die Hauptstadt Chiles - schippern. Ich hätte die beiden am liebsten noch etwas behalten. Einfach giga!

Der Abend war nach der Fleischkost aber noch lange nicht zu Ende. Wie man den Argentiniern ab und zu auch ansieht, mögen sie Süsses. Als kleine Dessert Vorspeise gab es zwei kleine Käsequadrätchen. Das eine auf einer Art Süsskartoffel und das andere auf - Achtung - Holz. Ja tatsächlich Holz¨! Der Geschmack war speziell und mir war sofort klar, dass ich stets das zweite Dessert bevorzugen werde. Alfajores!!
Zum ersten Mal durfte ich diese süssen Dinger selber herstellen. Und dies stellte ich mir deutlich schwieriger vor, als es schlussendlich tatsächlich war: Man nahm einen Keks, strich Dulce de Leche drauf, nahm die Creme mit einem zweiten Keks ins Sandwich und tunkte das Ganze in Kokosraspeln. Wer wollte durfte das Alfajor noch in Schokoladensauce tauchen. Ich jedoch zog die schokoladenlose Variante vor, da so der typische Alfajor Geschmack bewahrt wurde.
Zum Ganzen hinzu trank man - ja was wohl? - Mate. Während dem ich damit beschäftigt war, Alfajores zu kreiren, amüsierten sich meine Tischgefährten mit dem Mate machen und trinken. Ich hielt mich zurück, mag ich doch lieber süss als bitter.


Nicht meine Welt: Käse mit Süsskartoffel und Holz

Mis en place - Alles bereit zum Durchstarten


Mein erster selbstgemachter Alfajor

Der Meister erklärt die Kunst des Mates
Mit Alfajor und Mate war der Abend leider definitiv zu Ende. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto verzogen sich die Teilnehmer. Ich selber ging mit dem Chef und meinen Tischgefährten noch in eine Bar.
Der Abend war einfach genial. Ich habe die Kultur Argentiniens noch etwas näher erlebt und habe mich super amüsiert.
Wer auch immer von euch einmal nach Buenos Aires reist, macht unbedingt das "
The Argentine Experience"! Es wird euch von den Socken hauen.

Hasta luego amigos!

Das "kleine Gruppenfoto" - Erika, welche ich diese Woche in der Schule kennengelernt habe, Rodrigo und ich.
 

Kommentare:

  1. Tönt wirlich eindücklich und was ich schon gelernt habe, am besten startet man mit zwei paar Socken zu einem solchen Anlass ;-)

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    1. Du schreibst, dass es einem von den Socken haut! Somit, wenn man von Beginn an zwei an hat, steht man am Schluss nicht ohne Socken da;-)

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  2. Wow - The Argentine Experience macht einem gluschtig! ich wusste bisher nicht, dass die Form der Empanadas je nach Inhalt wechselt - spannend! Stark finde ich auch deine Fotodokumentation - und das in allen Blogs! Sehr informativ!

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    1. Ja das mit der Form ist so ne Sache. Habe dies gerade beim heutigen Empanadas Mittagessen mit meiner Bürokollegin diskutiert. Auch wenn es grundsätzlich diese typischen Formen gibt, haben die meisten Empanadas immer diese "bekannte" Form. Egal, was der Inhalt ist. Naja, so sind die Argentinier im Regeln einhalten :P

      Freut mich, dass dir meine Fotos gefallen!
      Gruss Mirjam

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